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ZAVD verurteilt türkische Invasion in Afrin

  • 7. Februar 2018

Wir verurteilen aufs Schärfste den Einmarsch türkischer Truppen in Syrien sowie die Bombardierung der Stadt Afrin und ihrer Umgebung. Es sind nicht nur kurdische Kämpfer Opfer dieser Invasion, sondern auch die Zivilbevölkerung, welche dadurch zwangsweise zwischen die Fronten gerät und so erneut Vertreibung und Unterdrückung erlebt. Auch die Assyrer könnten bei einer Ausweitung der Invasion als Leidtragende hervorgehen.

Unter dem Interessenkonflikt zwischen den USA, der Türkei, der kurdischen YPG und dem Assad-Regime mit seinem Verbündeten Russland leidet in erster Linie die Zivilbevölkerung. Während die USA die YPG ausbildet und aufrüstet, kämpft die YPG für die Zerschlagung des Islamischen Staates und eine gleichzeitige Festigung ihrer Position in dieser Region. Die Türkei wiederum strebt die Zerschlagung der YPG an, die sie als Ableger der PKK betrachtet, und auch das Assad-Regime und Russland haben ein großes Interesse an der Schwächung der Kurden in Syrien. Unterdessen nehmen die restlichen Westmächte aufgrund der strategischen Bedeutung der Türkei und ihrer Mitgliedschaft bei der NATO diesen Völkerrechtsbruch seitens der Türkei in Kauf.

Der autokratisch regierende türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat seine Pläne seit geraumer Zeit klar definiert. Er will die PKK zerschlagen, wofür er eine 30 Kilometer breite Sicherheitszone entlang der 900 Kilometer langen syrisch-türkischen Grenze errichten möchte. Dies hätte zur Folge, dass die nordöstlich gelegenen syrischen Städte und Dörfer bis zur irakischen Grenze nach 100 Jahren erneut unter türkische Herrschaft kommen würden – ein großes Gebiet, in dem nicht nur Kurden, sondern seit Jahrtausenden auch Assyrer, Armenier, Araber und Jesiden leben. Eine ähnliche Aggression des Osmanischen Reiches führte im Jahr 1915 zum Genozid an den dort lebenden Assyrern, Armeniern und Jesiden. Eine derartige Wiederholung der Geschichte darf nicht geduldet werden. Die Sorge ist, dass sich der Konflikt auf die an der türkisch-syrischen Grenze liegenden Stadt Qamishli ausweiten könnte, welche von Assyrern gegründet wurde, die einst vor dem Genozid flohen. Hinzu kommt, dass durch die Frontenverschiebung der sogenannte Islamische Staat zunehmend als Gewinner hervorgeht, da der Fokus nun nicht mehr auf der Zerschlagung dieser Terrororganisation liegt, sondern der Schwächung der kurdischen YPG. Das könnte letztlich erneut zu einer verstärkten Unterdrückung der Assyrer durch Islamisten führen.

Wir solidarisieren uns mit allen Völkern Syriens und appellieren an die UN, an die Weltmächte, an alle EU-Staaten und insbesondere an die Bundesrepublik Deutschland, als friedensstiftende Parteien in diesem Konflikt aufzutreten und die türkische Invasion und Aggression zurückzudrängen, welche einen Pulverfass zum Explodieren bringen könnte. Ferner fordern wir sie auf, den Friedensprozess in Syrien mit diplomatischen Mitteln voranzutreiben, damit der dort seit Jahren andauernde Krieg endlich ein Ende finden kann.