Seminarwochenende für Frauen: Engagiert in der Flüchtlingsarbeit

Frauenarbeit,Integration,Seminar

Seminarwochenende für Frauen: Engagiert in der Flüchtlingsarbeit

Was können ehrenamtlich engagierte Frauen zur Linderung der Not der syrischen und irakischen Kriegsflüchtlinge beitragen? Wie können sie effektiv Hilfe leisten und wie kann diese Hilfe besser organisiert werden? Dies waren die zentralen Fragen des Seminars zum Thema „Hilfen für Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak“ am Wochenende des 4. – 6. Dezembers 2015 in der Akademie Klausenhof. Ziel war es, Frauen die Möglichkeiten des Engagements im Bereich der Flüchtlingshilfe aufzuzeigen und sie darin zu stärken.

Am Seminarwochenende, das seit über 30 Jahren jährlich vom ZAVD angeboten wird, nahmen Frauen mit assyrischem und yezidischem Hintergrund aus ganz Deutschland teil. Einige flohen selbst erst kürzlich in die Bundesrepublik. Sie erzählten von ihren Erlebnissen aus ihrer Heimat und den Erfahrungen auf der Flucht nach Deutschland. Bedrückung und Trauer beherrschten die Stimmung, als eine junge Frau von der Invasion des Islamischen Staates (IS) in ihr Dorf und ihrer Flucht aus den Händen des IS berichtete; oder andere von den Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Oppositionellen in Damaskus erzählten. Auch das Leben in den Flüchtlingsheimen in Deutschland ist eine Belastung für die Betroffenen. „Ich würde sofort nach Syrien zurückkehren, wenn es ginge“, sagte Teilnehmerin – und die anderen stimmten zu.

Das Wochenende wurde begleitet von der Psychologin Anisa Saed-Yonan, die tief traumatisierten Flüchtlingen im Rahmen eines vom SOS-Familienzentrum und SOS-Kinderdorf in Berlin geleiteten Projektes psychologische Beratung und Unterstützung bereitstellt. Anisa Saed-Yonan trug die Instrumente vor, die eine Traumabewältigung vorantreiben können. Hierzu gehörten ein sicherer Ort, der stetige Kontakt zu Menschen und Einheimischen, psychologische Hilfen, das Erlernen der Sprache des Gastlandes wie auch sportliche Aktivitäten.

Als ehrenamtliche Flüchtlingshelferin ohne psychologische oder pädagogische Ausbildung könne man traumatisierte Flüchtlinge unterstützen, indem man ihnen die Bereitschaft signalisiert, für sie als Ansprechperson da zu sein und das Gefühl schafft, nicht alleine zu sein. Der simple Satz „Ich habe Zeit für dich, wenn du Fragen hast“, bewirke als erster Schritt sehr viel. Auch sei es wichtig, ihnen ein offenes Ohr zu bieten und ihnen zuzuhören – gleichzeitig aber nicht zu tief nachzubohren.

Am dritten Tag diskutierten die Frauen über sinnvolle Aktivitäten in der Flüchtlingsarbeit im Rahmen ihrer Vereine. Viele der Teilnehmerinnen sind sehr engagiert – sie hatten die Möglichkeit sich mit den anderen auszutauschen. Die zugezogenen Frauen aus Syrien und dem Irak erzählten über Angebote, die sie sehr positiv aufnahmen. Neben dem typischen Sprachkurs nannten sie auch die Möglichkeit, im Verein eine Folkloregruppe oder Pfadfindergruppe zu gründen. „Es ist sehr förderlich, den Neuankömmlingen, eine neue Aufgabe zu bieten und ihnen das Gefühl zu geben, nützlich zu sein“, so Anisa Saed-Yonan.

Es war zwar ein taffes, volles und oft auch nervenaufreibendes Seminarprogramm, aber dennoch herrschte durchweg eine sehr ausgelassene Stimmung. Viel gelacht wurde am Samstagabend in gemütlicher Runde mit Witzen und Erzählungen aus Syrien und dem Irak. „Ich wäre gerne noch weitere zehn Tage geblieben“, so eine junge yezidische Teilnehmerin, die erst seit wenigen Monaten in Deutschland ist. Das Seminar wurde organisiert vom Zentralverband der Assyrischen Vereinigungen in Deutschland und Europäische Sektionen e.V. in Kooperation mit der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe.

Tags :

Teile das :

Aktuellste Pressemitteilungen

Sozialen Medien

Unterstützen Sie unsere Arbeit in Deutschland oder spenden Sie für die Kriegsopfer aus Syrien. Für weitere Informationen, klicken Sie auf den unteren Button.

Zentralverband der Assyrischen Vereinigungen in Deutschland und Europäische Sektionen e.V.

Copyright © 2021. All rights reserved | Designed by DigiGate