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Assyrer gedenken an 103 Jahre Völkermord

  • 19. April 2018

Erneut müssen die Assyrer die Welt daran erinnern, dass der Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches – die heutige Türkei – den Völkermord an den christlichen Assyrern, Armeniern sowie Pontos-Griechen vehement verleugnet und eine Aufarbeitung vermeidet.

Die Vereinigten Nationen schweigen auch heute zu der gezielten Ermordung der drei Millionen christlichen Opfer des Völkermordes von 1915, im Assyrischen auch als Seyfo (Schwert) bekannt.

Der Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs trachtet auch heute nach dem Leben von hunderttausenden unschuldigen Menschen. Unter dem Deckmantel der Bewahrung eigener Interessen besetzte der türkische Staat souveräne Staaten wie Zypern im Jahre 1974 und dringt gegenwärtig nach Belieben in den Irak oder in Syrien ein und tötet unschuldige Menschen vor den Augen der Weltgemeinschaft. Darüber hinaus unterstützt die türkische Regierung Terrororganisationen wie den Islamischen Staat, die al-Nusra-Front sowie al-Qaida.

Im Jahre 1914 lebten im damaligen Osmanischen Reich vier Millionen Nicht-Muslime, darunter Armenier, Assyrer, Pontos-Griechen, Juden und Jesiden. Die Planung der systematischen Ermordung und Vertreibung dieser Völker unter Führung der jungtürkischen Partei (Ittihat ve Terraki) stand bereits ein Jahr zuvor fest. Bei der Durchführung dieser ethnischen und religiösen Säuberung an den Nicht-Muslimen, die dem Ziel diente, einen einheitlich türkisch-muslimischen Staat zu errichten, waren neben dem türkischen Militär auch einige große kurdische Stämme beteiligt. Der Genozid erstreckte sich bis zum Jahre 1923.

Bei diesem ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts wurden bis zu 750.000 Assyrer, 350.000 Pontos-Griechen und 1,5 Millionen Armenier ermordet. Durch die systematischen Massaker von 1915 wurde das assyrische Volk stark dezimiert, geschwächt und schließlich seines Landes beraubt.

Auch heute werden vor den Augen der Weltöffentlichkeit in der Heimat Assyrer und Jesiden systematisch durch Islamisten, welche unter anderem von der Türkei gefördert werden, massakriert, versklavt und aus ihrer Heimat vertrieben. Wieder wird nichts Ernsthaftes unternommen, um den schleichenden Völkermord und den Landraub im Irak sowie die Konfiszierung von Häusern und Grundstücken in Syrien durch kurdische Familienclans zu stoppen. Die Türkei selbst ist in die Stadt Afrin und Umgebung unter dem Deckmantel der Wahrung eigener Interessen einmarschiert, um diese dauerhaft zu besetzen. Tausende Unschuldige wurden ermordet und vertrieben. Ferner wurden über 50 Kirchen und Klöster von Assyrern in der Türkei annektiert und zum Staatseigentum erklärt. Die Weltöffentlichkeit schaut diesen völkerrechtswidrigen Verstößen durch den türkischen Staat erneut tatenlos zu.

Der Zentralverband der Assyrischen Vereinigungen in Deutschland fordert von den Vereinten Nationen, gegen die Verletzung des Völkerrechts durch die Türkei schnellstmöglich vorzugehen. Auch die Bundesregierung und die Europäische Union haben die Pflicht, Druck auf den türkischen Staat auszuüben, damit durch Sanktionen und politische Maßnahmen die Verletzung des Völkerrechts unterbunden wird und die Rechte der Assyrer und anderer Minderheiten im dem Gebiet der Türkei garantiert werden. Hierzu muss auch der Genozid an den Assyrern, Armeniern und Pontos-Griechen anerkannt und aufgearbeitet werden.

Schuld sind nicht nur diejenigen, die einen Völkermord planen und ausführen; Schuld sind auch diejenigen, die dem Morden tatenlos zusehen!