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Protestdemonstration in Qamishli (Syrien) gegen Schulschließungen durch kurdische Miliz

  • 3. September 2018

Am Dienstag, dem 28. August 2018, besetzten in den frühen Morgenstunden bewaffnete Milizen der kurdischen Partei Demokratische Union (YPD) und ihrer Verbündeten, die Miliz der Syriac Union (Dawronoye), vier assyrische Privatschulen in der Stadt Qamishli und vertrieben Lehrerschaft und Verwaltungspersonal aus den Schulen, die kurz vor Schulbeginn zur Vorbereitung in der Schule waren. Sie verketteten die Tore der Schulen und legten mehrere Schlösser an. Die Schulen stehen seit Jahrzehnten unter Verwaltung der syrisch-orthodoxen Kirche.

Im Laufe des Tages formierte sich in der Stadt eine spontane Protestdemonstration gegen die willkürlichen Maßnahmen der sogenannten kurdischen Autonomen Selbstverwaltung der PYD, die ein Ableger der PKK in Syrien ist. An der Demonstration nahmen nicht nur Assyrer und Geistliche der verschiedenen syrischen Kirchen teil, sondern auch Armenier, Araber, Kurden und Jesiden, somit Vertreter aller Nationalitäten und Religionen in der Stadt Qamishli.

Am Dienstag gegen 17 Uhr Ortszeit konnte das protestierende Volk von Qamishli schließlich die vier besetzten assyrischen Schulen von der PYD und Dawronoye-Milizen befreien, trotz Drohungen und Einschüchterungen durch Schüsse. Ob sich die PYD und ihre Verbündeten die Dawronoye dem Willen des Volkes in Qamishli beugen und ihre umstrittenen Schulpläne für die christlichen Privatschulen zurücknehmen, bleibt abzuwarten. Die sogenannte Autonome Selbstverwaltung der Kurden hatte am 7. August 2018 ein Dekret erlassen, wonach die christlichen Schulen ihre bisherige Lizenz verlieren würden und fordert zudem die Übernahme eines kurdischen Curriculums.

Die sogenannte Selbstverwaltung der Kurden in der Nordöstlichen Region des Landes, auch Jezire oder Gozarto (d.h. Syrische Insel) genannt, hat die Unterrichtspläne der Schulen in ihrem politischen Sinn verändert und will mit allen Mitteln diese den Privatschulen aufzwingen, was sowohl von den assyrischen als auch von den armenischen Privatschulen in dieser Region nicht akzeptiert wird. Der Zentralverband der Assyrischen Vereinigungen in Deutschland (ZAVD) hatte in diesem Zusammenhang letzte Woche zusammen mit der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) eine Presseerklärung herausgegeben und einen Brief an die Kurdische Selbstverwaltung in Nordost-Syrien geschickt, in der Hoffnung, dass das Schulproblem mit den Assyrern und Armeniern friedlich beigelegt wird.

Die erste assyrische Privatschule in Qamishli ist die 1928 gegründete Al Hurria-Grundschule (Die Freiheit) gewesen; später wurden von Assyrern und Armeniern viele andere christliche Grund- und Mittelschulen sowie Gymnasien in der ganzen Region von Nordost-Syrien eröffnet. Seit damals sind diese Schulen auch für Schüler anderer Nationalitäten offen. Kurdische, arabische und jesidische Familien vertrauten ihre Kinder jahrzehntelang den assyrischen Schulen an, weil sie von deren Bildungsqualitäten und Lehrfähigkeiten überzeugt waren; zuletzt waren in diesen Schulen auch sehr viele kurdisch-stämmige Schüler.