Offener Brief an den UN Sicherheitsrat

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Offener Brief an den UN Sicherheitsrat

Der UN Sicherheitsrat, das stärkste Organ der UN (Vereinte Nationen), wird am 27. März 2015 eine Sitzung über die Minderheiten im Mittleren Osten abhalten, die durch den Terror des “Islamischen Staats” (IS) zunehmend in existenzieller Not geraten.

Aus diesem Anlass hat der ZAVD dem UN Sicherheitsrat einen offenen Brief zur Lage der Assyrer in Syrien und im Irak gesendet, der Forderungen für den Schutz der Assyrer, Yeziden und anderen Minderheiten beinhaltet. Untenstehend ist eine deutsche Übersetzung dieses Briefes:

 

Ihre Sitzung über Minderheiten im Mittleren Osten am 27. März 2015

Sehr verehrte Mitglieder des UN Sicherheitsrats,

die terroristischen Angriffe des „Islamischen Staats“ (IS) verursachten von Syrien bis in den Irak ein Genozid an den christlichen Assyrern, Yeziden und anderen bedrohten Minderheiten. Zudem hat der IS mehrere antike assyrische Stätten zerstört, wie die antiken Städte Nimrud und Hatra, was zu einer kulturellen Säuberung von Weltkulturerbe geführt hat.

Aufgrund der IS Invasion vergangenen Sommer im Irak mussten mehr als 2 Millionen Menschen, darunter über 200.000 Assyrer, aus der Ninive-Ebene in nördlicheren Teilen des Landes fliehen. Heute, acht Monate später, befinden sich viele der Dörfer immer noch unter IS Kontorolle. Ein weiteres humanitäres Desaster hat sich nun in Syrien entwickelt, wo zehntausende Assyrer zur Zielscheibe der brutalen Angriffen und Entführungen des IS wurden. Im Februar 2015 überfiel der IS die Khabour Region im Nordosten Syriens und entführte über 300 Assyrer, darunter hauptsächlich Frauen, Kinder und Ältere.

Der IS begeht ethnische und kulturelle Säuberungen an ethnische und religiöse Minderheiten. Nicht nur durch eine Kampagne von Massentötungen und –entführungen, sondern auch durch das Zerstören antiker assyrischer Stätten im Irak, wie Nimrud und Hatra, Artefakte im Museum von Mosul und weitere Artefakte, die zum Weltkulturerbe gehören.

UN General-Sekretär Ban Ki Moon und die UNESCO verurteilen die Zerstörung dieser antiken Stätten und Artefakte aufs Schärfste und bezeichnen sie als „Kriegsverbrechen“. Gemäß eines Berichts, den der UN Menschenrechtsrat in Genf vorlegte, erreicht die durch den IS verursachte Gewalt das Ausmaß eines Genozids. Das UN-Anti-Rassismus-Komitee rief bereits im August 2014 dazu auf, in der Ninive-Ebene eine Schutzzone zu schaffen, die von UN Friedenstruppen geschützt werden sollte. Diese Forderung unterstrich das EU Parlament durch eine entsprechende Resolution, die es in diesem Monat verabschiedete.

In den vergangenen 100 Jahren sind viele Assyrer vor der Verfolgung im Mittleren Osten meist nach Nord-Amerika und Europa geflohen. Die Herzen vieler Assyrer sind jedoch in ihrer Urheimat geblieben, besonders im Irak und in Syrien. Daher sind wir zutiefst besorgt über die Sicherheit und die Existenz des assyrischen Volkes in seiner Urheimat.

Nach Jahrtausenden von Jahren der Existenz in Mesopotamien und nach mehreren Genoziden und Massakern, insbesondere seit 1915, als über 500.000 Assyrer in einen Genozid durch das Osmanische Reich starben, erleiden sie heute, 100 Jahre später, ihre endgültige Auslöschung in ihrem Heimatgebiet, wenn keine ernsten Schritte für ihren Schutz durch die internationale Gemeinschaft zustande kommen. Es liegt im Interesse der gesamten internationalen Gemeinschaft, die Sicherheit und den ethnischen Frieden für die bedrohten Minderheiten im Mittleren Osten wieder aufzubauen und die Zeugnisse der Zivilisation im Irak zu bewahren. Daher fordern wir:

  • UN Bodentruppen in Syrien und im Irak, um gefährdete Minderheiten zu schützen, insbesondere Assyrer und Yeziden,
  • Die Schaffung von Schutzzonen für solche Minderheiten im Nordirak (Ninive-Ebene und Shingal) und in Nordsyrien,
  • Militärische Ausbildung und Ausrüstung für die Verteidigungseinheiten der Assyrer und der Yeziden, um sie darin zu befähigen, diese Schutzzonen und gefährdete Gruppen zu beschützen,
  • Die Befreiung der Geiseln in IS Gefangenschaft, einschließlich der 300 entführten Assyrer aus dem IS Angriff im Khabour Gebiet im Nordosten Syriens,
  • Unterstützung für die humanitären Hilfsorganisationen der Assyrer und Yeziden, die den größten Teil der humanitären Arbeit für die Flüchtlinge dieser Gruppen betreiben,
  • Schutz der antiken Stätten im Irak und in Syrien vor dem IS und anderen Terroristen, um weitere Zerstörung von Weltkulturerbe zu verhindern.

Hochachtungsvoll

Johann Roumee
1. Vorsitzender

Zentralverband der Assyrischen Vereinigungen
in Deutschland und Europäischen Sektionen e.V. (ZAVD)

Tags :
Offener Brief,Schutzzone,Security Council,Sicherheitsrat,UN

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